Sonderpädagogisches Begabungszentrum Titus Bailer

Ablauf des Beratungs- und Diagnoseprozesses

Das Wahrnehmen von Anzeichen bzw. der begründete Verdacht einer Hochbegabung, ist der erste wichtige Schritt bei der Feststellung einer Hochbegabung.
Häufig sind es die Eltern, die die Vermutung äußern, dass ihr Kind hochbegabt sein könnte. Sie beobachten in vielen Bereichen, dass es weiter entwickelt ist als ihre Alterskameraden. Es können aber auch Lehrer, Erzieher oder weitere Personen (wie Logopäden, Ärzte etc.) sein, denen die besondere Begabung aufgefallen ist.
PflanzeBei behinderten Kindern wird eine Begabung wesentlich seltener erkannt und diagnostiziert. Der Grund könnte darin liegen, dass der Verdacht einer überdurchschnittlichen Ausprägung der kognitiven Fähigkeiten wieder verworfen wird, da aufgrund der Behinderung die körperlichen und/ oder sensorischen Defizite im Vordergrund stehen und bei der Beurteilung der Gesamtfähigkeiten überwiegen.
Trotzdem oder gerade deshalb sollte der Verdacht unbedingt abgeklärt werden, da eine unerkannt gebliebene Hochbegabung zu gravierenden Schwierigkeiten in der Schule, Familie und/ oder Persönlichkeit führen kann.

Anlass und Gründe für eine Beratung

Die Gründe zum Aufsuchen des sonderpädagogischen Begabungszentrum sind unterschiedlich.

Probleme in der Leistungs- und Begabungsentwicklung

Sonstige Gründe

Bei allen aufgelisteten Punkten ist gemeinsam, dass Ihr Kind Ihnen auffällt. Es ist "anders". Scheuen Sie sich nicht und klären Sie Ihren Verdacht ab. Bei einer unerkannten Hochbegabung besteht ist die Gefahr einer ungünstigen Schullaufbahn groß. Nach Bestätigung einer Hochbegabung ergeben sich vielfältige Möglichkeiten der Förderung. Ihr Kind bekommt die Chance, seine Begabung entfalten zu können!

Die Beratungsgespräche können in unterschiedlicher Form stattfinden. Die Einzelfallberatung von Kindern und Jugendlichen, Eltern und Lehrern ist die wohl häufigste Beratung, bei der es darum geht, den Ratsuchenden Entscheidungshilfe zu spezifischen Problemen anzubieten. Darüber hinaus besteht für Lehrer, Lehrerkollegien, Schulleitung und Schulaufsichtsbehörden die Möglichkeit der Gruppenberatung in Form von Informationsgesprächen, Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen, Erfahrungsaustausch oder zu konkreten Frage- und Problemstellungen. Hierunter fällt auch die Beratung von schulischen Projekten, die auf die Förderung von besonderen Begabungen im Unterricht ausgerichtet ist.
Weiterhin ist zwischen telefonischer, schriftlicher (per Brief, Fax oder Email) oder persönlicher Beratung zu differenzieren.

Ablauf der Beratung

Die Beratung von Familien hochbegabter Kinder und Jugendlicher erfolgt nach einem mehrstufigen Beratungsmodell:

1. Stufe: Kontaktaufnahme

TelefonDie Kontaktaufnahme kann telefonisch oder schriftlich (per Brief, Email, Fax) erfolgen. Bei Bedarf und auf Wunsch der Familien können weitere Einrichtungen (z.B. Therapeuten, Lehrer, ...) miteinbezogen werden. Ein Termin für ein Treffen wird vereinbart.

2. Stufe: Anamnesegespräch

Das Beratungsgespräch dient zur Problemanalyse.

Dabei wird abgeklärt, auf welche konkreten Fragen sich die Betroffenen Antworten wünschen (z.B. Abklärung einer Hochbegabung, Motivations- oder Leistungsprobleme, schlechte schulische Noten trotz einem hohen Intelligenzquotienten, Schullaufbahnentscheidungen, Regel- oder Sonderschule...). Hierbei wird das hochbegabte Kind meist mit einbezogen, damit gemeinsam nach Lösungsmöglichkeiten gesucht wird. Bei dem offenen Gespräch wird Wert darauf gelegt, dass sowohl Problem- als auch Stärkenbereiche besprochen werden. Dies soll dazu dienen, dass sich die Familie über Stärken und Schwächen bewusst wird und somit zu einem möglichst objektiven und realistischen Bild angehalten werden.
Die Zielsetzung, das weitere Vorgehen und die anzuwendenden Testverfahren werden besprochen.

3. Stufe: Diagnose

TestJe nach Fragestellung und Zielvorstellung stehen eine Reihe von standardisierten Testverfahren wie z.B. Intelligenztest, Leistungstest, Entwicklungstest usw. zur Verfügung, die eine generelle Einschätzung der Fähigkeiten des hochbegabten Kindes erlauben. Durch weitere Tests (z.B. Rechtschreibtests, Rechentests, Kreativitätstests, ...) und Fragebögen werden spezielle Fähigkeitsbereiche untersucht. Mit Hilfe standardisierter Intelligenztests ist ein objektiver Vergleich mit Kindern gleichen Alters möglich. Im Allgemeinen wird von einer (intellektuellen) Hochbegabung gesprochen, wenn das Kind aufgrund seiner Intelligenzleistung zu den besten 2-5% gehört. Dies entspricht etwa einem Intelligenzquotient (IQ) von über 120 Punkten.
Die Hochbegabungsdiagnostik sollte nur von fachlich qualifiziertem Personal durchgeführt werden, die über eine entsprechende testdiagnostische Ausbildung verfügen.

Erfahrungen mit Hochbegabung und Behinderung sind m.E. dringende Voraussetzung.

Persönlichkeitstests können vor allem dann zum Einsatz kommen, wenn trotz eines hohen IQs nur unterdurchschnittliche schulische Leistungen erreicht werden (sog. "Underachiever"). Die Untersuchung von verschiedenen Persönlichkeitsmerkmalen (z.B. Motivation, Selbstkonzept, Attribution, Ängstlichkeit...) kann erste Hinweise auf Problembereiche liefern.
Fehldiagnosen werden vor allem dadurch zu vermeiden versucht, indem bei der Testdurchführung stets die Behinderung berücksichtigt wird und evtl. Modifikationen vorgenommen werden.
Die Testauswertung erfolgt nach Möglichkeit sofort, damit das Ergebnis der Familie nach einer Pause mitgeteilt werden kann.

4. Stufe: Beratungsgespräch

Das Beratungsgespräch dient der Problemlösung.
Die Testergebnisse werden allgemeinverständlich den Familien mitgeteilt. Es werden sowohl Stärken als auch Schwächen thematisiert, damit die Entwicklung eines realistischen Selbstkonzepts hierdurch gefördert werden kann. Unter Hinzuziehen weiterer Informationsquellen (z.B. Fremdgutachten, Zeugnisnoten...) werden gezielte zukünftige Maßnahmen besprochen.
Dabei werden gemeinsam Möglichkeiten der Förderung bzw. des weiteren Vorgehens eruiert, wobei auch thematisiert wird, inwieweit die Hochbegabung zur Kompensation der Behinderung, zur Vermeidung von schulischen Schwierigkeiten oder im Beruf genutzt werden kann.
Aufgrund des individuellen Vorgehens und je nach Problem- und Fragestellung können weitere Testverfahren oder Maßnahmen notwendig werden.
Bei der Beratung und Diagnose steht stets das Kind und der Wunsch nach einer optimalen Persönlichkeitsentwicklung im Mittelpunkt.

5. Stufe: Förderung und Begleitung

In der Familie

PuzzleNach Feststellung einer Hochbegabung ist es wichtig, dass der Betroffene und seine Eltern die Begabung akzeptieren und annehmen. Sie sollen lernen, wie das Potential genutzt und dem Betroffenen zu einer gesunden Entwicklung verholfen werden kann.
Das Sonderpädagogische Begabungszentrum steht den Familien mit Rat und Tat zur Seite und informiert sie über Fördermöglichkeiten.

In der Schule

Die Aufgabe der Schule besteht im Allgemeinen darin, allen Schülerinnen und Schülern eine ihren Begabungen und Fähigkeiten entsprechende Ausbildung zu ermöglichen.
Viele Lehrer sind bereit, ein hochbegabtes Kind entsprechend zu fördern und die Herausforderung anzunehmen. Das sonderpädagogische Begabungszentrum informiert auf Wunsch die Lehrer über den Umgang mit Hochbegabung und berät Eltern und Schule über verschiedene Fördermöglichkeiten.
Bei Kinder, die sich im Unterricht permanent langweilen und unterfordert sind, sollte die Möglichkeit des Überspringens in Betracht gezogen werden. Allerdings muss diese Maßnahme im Einzelfall gemeinsam mit allen Beteiligten sehr genau geprüft werden.
Nicht immer zeigen die Lehrkräfte Verständnis für die Situation Hochbegabter. Es kann leider zu Spannungen zwischen Lehrer, Kind und Eltern kommen. Häufig kann durch entsprechende Informationen von neutraler Seite des sonderpädagogischen Begabungszentrums die Lage entspannt und mehr Verständnis für das Kind erreicht werden. Sollte ein kollegiales Gespräch keine Wirkung zeigen, so muss die Möglichkeit des Klassen- oder Schulwechsels diskutiert werden.

Sonderpädagogisches Begabungszentrum
Dr.phil. Titus Bailer
Hohstatt 13
76 534 Baden-Baden  

Tel. 07223 / 801 38 28
E-Mail: Begabungszentrum@
  t-online.de

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Tel. 07223 / 801 38 28  -   E-Mail: Begabungszentrum@t-online.de